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Richard Ringer: „Bei den Spielen 2024 in Paris will ich Marathon laufen“

Richard Ringer: „Bei den Spielen 2024 in Paris will ich Marathon laufen“
 
11.03.2019 | Interview der Woche   -  in www.leichtathletik.de
 

 

Richard Ringer: „Bei den Spielen 2024 in Paris will ich Marathon laufen“

Reinhard Köchl

Es war eine Premiere am Samstag im Ingolstädter Hindenburgpark: Zum ersten Mal gelang es mit Richard Ringer (LC Rehlingen) einem Athleten bei Deutschen Crossmeisterschaften, die Mittel- und Langstrecke zu gewinnen. Das „Cross-Double“ war der Höhepunkt der Titelkämpfe. Im Interview der Woche spricht der glückliche Doppel-Sieger über seine WM- und Olympia-Pläne, die ungewohnte Trainerrolle bei Freundin Nada Ina Pauer und seinen besonderen Bezug zu Ingolstadt.

Richard Ringer, wie fühlt sich das an: Deutschlands erster Cross-Double-Sieger?

Richard Ringer:

Großartig! Ich müsste lügen, wenn ich sagen würde, dass ich das nicht im Hinterkopf hatte. Aber angesichts der Konkurrenz durfte man das nicht automatisch erwarten. Es ging für mich auch um eine Serie: Seit ich 2014 als Erster bei der Cross-DM in Löningen durchs Ziel gelaufen bin, habe ich kein einziges Meisterschaftsrennen mehr verloren. Gerade deshalb war so eine Doppelbelastung natürlich nicht ganz ohne Risiko. Auf der Mittelstrecke hat es sich noch sehr gut angefühlt, auf der Langstrecke dachte ich zwischenzeitlich, dass ich am Schluss nur Dritter werde. Doch letztlich kam mir wohl auch meine Erfahrung zugute. Mit 30 Jahren kann ich mir ein Rennen inzwischen so gut einteilen, dass ich hinten heraus noch ein paar Körner habe. Amanal (Petros) hätte den Sieg sicherlich verdient gehabt, weil er acht Kilometer das Rennen vorneweg lief. Ein bisschen tut es mir fast leid für ihn, aber so ist das nun mal im Sport. Wir wollen alle gewinnen!

Stichwort Erfahrung: Wie kann man zwei Rennen so dosieren, dass beide jeweils mit dem bestmöglichen Ergebnis enden?

Richard Ringer:

Mein Glück war, dass ich auf der Mittelstrecke nicht alles geben musste. Weil das Tempo anfangs eher verhalten blieb, bin ich selbst an die Spitze gegangen und habe in der letzten Runde eine Tempospritze gesetzt. Für den letzten Kilometer zeigte mein GPS-Gerät 2:52 Minuten an, und es hat sich locker angefühlt. Ich habe großen Respekt vor Florian Orth, schätze ihn als Gegner und Kollegen. Aber man darf nicht vergessen, dass er eine Woche zuvor bei der Hallen-EM in Glasgow zwei harte 3.000er laufen musste. Deshalb war die Langstrecke die eigentliche Herausforderung. Die Taktik für Amanal und seinen Trainer war klar: 'Ziemlich früh Druck machen und den Richard loswerden, denn der hatte ja schon die Mittelstrecke in den Beinen.' Im Nachhinein muss ich sagen, dass es auch ohne Vorbelastung extrem hart geworden wäre. Umso glücklicher und stolzer bin ich, dass es letztlich doch geklappt hat.

So ein Erfolg ist auch das Ergebnis einer optimalen Vorbereitung...

Richard Ringer:

Die Hallensaison fand für mich in diesem Jahr nicht statt. Es gab nur einen Crosslauf. Mein geplanter Halbmarathon-Start im japanischen Marugame musste ausfallen, weil ich mir Anfang Februar einen Virus im Trainingslager in Monte Gordo eingefangen hatte. Also habe ich weitertrainiert, fünf, sechs Wochen lang, sehr ausdauernd, und eine solide Grundlage für die Saison geschaffen. Dabei standen vor allem meine Schwächen im Mittelpunkt, Kraft und Stabilisation. Die Rennen in Ingolstadt mussten jetzt einfach sein, ich wollte mich zeigen, wollte wissen, was ich draufhabe. Ich war richtig heiß! Jetzt geht es ins Höhentrainingslager nach Flagstaff, da brauchen wir ein paar Tage, bis wir uns an die Höhe gewöhnt haben. Die nächste Belastung steht deshalb erst wieder am Wochenende auf dem Plan.

Die Themen „Halbmarathon“ und „Marathon“ rücken für Sie immer mehr in den Mittelpunkt, getreu der Devise: Je älter der Läufer, umso länger die Distanz...

Richard Ringer:

Natürlich mache ich mir Gedanken, wie es mit meiner sportlichen Karriere weitergeht. Mein Ziel ist es, nach den Olympischen Spielen 2020 in Tokio nach und nach die Marathondistanz ins Auge zu fassen und dann bei den Spielen 2024 in Paris die 42,195 Kilometer zu laufen. Dann bin ich 35. Deswegen macht es durchaus Sinn, bereits jetzt für ein halbes Jahr längere Sachen in Angriff zu nehmen, um den Körper langsam an die Belastung heranzuführen. Für Arne Gabius habe ich beim Frankfurt-Marathon schon das Tempo gemacht. Dafür wurde ich anfangs von den etablierten Marathon-Läufern belächelt. Aber am Schluss haben sie mir alle gratuliert.

Auf den Unterdistanzen bin ich nach wie vor schnell unterwegs, was ja meine 10.000-Meter-Zeit von 2018 [27:36,52 min] belegt. Das dürfte noch nicht das Ende der Fahnenstange sein. Doch der Reiz der Bahnläufe erschöpft sich allmählich, die ganze Rundenzählerei, das Ballern, die Zielzeiten auf Zehntelsekunden heruntergebrochen. Dagegen finde ich Tempoläufe über fünf Kilometer auf der Straße irgendwie anders, befreiender, auch für den Kopf. Mir tut das richtig gut. Natürlich dauert das Training länger, aber die Muskulatur kommt damit besser klar. In Tokio will ich es noch einmal auf der Bahn versuchen, denn nach den verkorksten Spielen 2016 in Rio habe ich noch eine Rechnung offen. Aber danach geht es definitiv auf die Straße. Den Marathon-Einlauf, den ich in Rio als Zuschauer mitverfolgen durfte und der mich über alle Maßen fasziniert hat, will ich einmal als Athlet erleben!

Zunächst steht aber in diesem Jahr noch die WM in Doha an.

Richard Ringer:

Mein ganzes Training 2019 bleibt auf Doha ausgerichtet. Deshalb auch die Spielerei mit dem Doppelstart im Crosslauf und dem Halbmarathon. Denn bis zum Oktober sind es ja noch sieben Monate. Eine ewig lange Zeit, die man irgendwie sinnvoll füllen muss. In Doha will ich die 5.000 Meter in Angriff nehmen, denn selbst mit einer 27:20 würde ich über 10.000 Meter dort nur hinterherlaufen. Vielleicht komme ich nochmal an die 13:10 Minuten heran, das wäre ein realistisches Ziel. Und ein bisschen mehr als Platz 14 wie bei der WM 2017 in London sollte es auch sein.

Sie schreiben die Trainingspläne für Ihre Freundin Nada Ina Pauer, die für Österreich und die LG Telis Finanz Regensburg startet. Wie verträgt sich die Doppelrolle Freund-Trainer?

Richard Ringer:

Eigentlich ganz gut. Ich bin ja kein ausgebildeter Trainer und gebe nur die Philosophie weiter, die Eckhardt Sperlich bei mir erfolgreich angewendet hat. Mit Nada zu arbeiten ist relativ einfach, weil sie in vielen Dingen genauso tickt wie ich. Sie läuft die gleichen Distanzen. Wenn ich zum Beispiel Tausender mit Laufpause absolviere, dann macht sie die Laufpausen mit. Im Sommer läuft sie bei den Tausendern 400 Meter im gleichen Tempo, ein mittlerer Dauerlauf bei mir ist bei ihr dann eben ein schneller Dauerlauf. Die Koordination funktioniert gemeinsam. In Regensburg ist Nada ganz gut aufgehoben, sie kann dort in einer starken Gruppe um Miriam Dattke trainieren und mit ihrer doppelten Staatsbürgerschaft bei Deutschen Meisterschaften auch gegen Konstanze Klosterhalfen und Alina Reh antreten. Diese Möglichkeiten hätte sie in Österreich nicht. Da würde sie alleine vorneweg laufen.

An Ingolstadt haben Sie nicht erst seit heute gute Erinnerungen. Sie waren vor zehn Jahren schon einmal bei den Cross-Titelkämpfen am Start.

Richard Ringer:

Bei den Deutschen Cross-Meisterschaften 2009 bin ich in der U23-Klasse Fünfter geworden. Das war damals ein Riesenerfolg für mich. Als ich hörte, dass die Cross-DM 2019 wieder nach Ingolstadt vergeben wurde, habe ich mich gefreut. Ich mag die Strecke wirklich, obwohl sie vor zehn Jahren noch deutlich matschiger war. Alles ist hier sehr kompakt, die Zuschauer haben überall einen tollen Blick. Hier sollte man häufiger Events veranstalten.

 

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