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14.07.2014

Bianca Kapplers Abschied vom Leistungssport

Bianca Kapplers Abschied vom Leistungssport
Bianca Kapplers Abschied vom Leistungssport

Im Mittelpunkt stand Bianca Kapplers Abschied vom Leistungssport -

Gute Leistungen beim Dillinger Sportfest


von aramedien • 07. Juli 2014

Dillingen. Derzeit beherrscht bekanntlich König Fußball die Sportszene, trotzdem fand eine ganze Reihe sportinteressierter Zuschauer den Weg in das Dillinger Parkstadion. Hier fand die siebte Auflage des Nationalen Sportfestes Dillingen statt. Entstanden ist das Sportfest als Sprungmeeting, in seiner Anfangsphase mitinitiiert durch eine der erfolgreichsten deutschen Weitspringerinnen der vergangenen Jahre, Bianca Kappler. Bianca Kappler ist mittlerweile zweifache Mutter und feiert im August ihren 37. Geburtstag. Und damit meinte sie, sei es an der Zeit zurückzutreten. So stand das diesjährige Sportfest im Zeichen ihres Abschieds.

Es war wieder gelungen, eine ganze Reihe der deutschen Spitzenspringerinnen nach Dillingen einzuladen, darunter auch die zweifache Siegerin Michelle Weitzel aus Regensburg.
Wechselnde Winde erschwerten den Weitspringerinnen den Wettkampf. Deshalb waren im ersten Durchgang fast alle Sprünge ungültig, auch im zweiten Durchgang hatten viele noch Probleme, wobei allerdings Nadja Käther aus Hamburg mit 6,56 m bereits den weitesten Satz des Tages hinlegte. Im dritten Durchgang griff dann auch Bianca Kappler in das Geschehen ein und eroberte mit 6,21 Metern den dritten Rang.
Vorjahressiegerin Michelle Weitzel zeigte mit 6,45 Meter an, dass sie ebenfalls Siegesambitionen hatte. Im fünften Durchgang legte Lisa Kurschilgen vom TV Wattenscheid einen Sprung von 6,42 Meter hin und verdrängte damit Bianca Kappler auf Rang vier.
Dann kam das Finale und damit auch der letzte Sprung in Biancas Karriere. Die Springerinnen sorgten für etwas Dramatik, sie überließen ihr auch den letzten Sprung des Wettbewerbs, ein Sprung sozusagen hinüber in ein anderes, nicht mehr vom Leistungssport geprägtes Leben. Bianca legte noch einmal alle Konzentration, alle Erfahrung ihrer langen Laufbah
n in diesen Sprung, der sie dann auf 6,36 Meter hinaustrug. Ihr Ziel war es, wie sie später sagte, zwischen 6,30 und 6,40 Meter zu springen – es war geschafft. „Ich habe gemerkt, dass ich mit den Jüngeren doch noch einigermaßen mithalten kann, aber es ist jetzt an der Zeit für ein Leben nach dem Sport“, sagte sie nach dem Springen. Den letzten Sprung hatten die Kolleginnen mit rhythmischem Klatschen begleitet, die Besucher im Stadion hatten sich von ihren Plätzen erhoben und spendeten lang anhaltenden Applaus.

Die ungültigen Sprünge von Nadja Käther und von Michelle Weitzel waren nach dem Empfinden beider noch über die EM Norm von 6.70 Metern hinausgegangen. Beide sind davon überzeugt, dass sie diese Norm vor der Europameisterschaft in Zürich (12. – 17. 08.) schaffen werden. Davon ist auch der in Dillingen ebenfalls anwesende Bundestrainer Uli Knapp überzeugt, der dann allerdings ein Luxusproblem hätte: es wären dann fünf Springerinnen, die die Norm geschafft haben, von denen er aber nur drei mitnehmen darf.
Im Anschluss an das Springen dankte Thomas Klein vom LC Rehlingen Bianca Kappler für ihr Engagement, kündigte zugleich aber noch einen Abschiedsempfang im heimischen Verein an, SLB Chef Werner Zimmer dankte ihr gleichermaßen, nicht ohne der Hoffnung Ausdruck zu geben, dass sie auch in Zukunft auf die eine oder andere Weise der Leichtathletik verbunden bleibe. Bei der Siegerehrung, die von dem Vorsitzenden des ausrichtenden TV Dillingen Serg
ey Charkov gemeinsam mit Bürgermeister Franz Josef Berg vorgenommen wurde, dankte dieser ebenfalls der Weitspringerin, die durch ihr Engagement dazu beigetragen habe, dass Dillingen als ein gutes Pflaster für Weitspringer bekannt wurde. In unserer Infothek am Ende des Artikels finden unsere Leser einige weitere Daten von der erfolgreichen Karriere Bianca Kapplers.
Nicht ganz so stark war der Herrenwettbewerb besetzt. Herausragend hier die Leistung des früheren Junioren
Weltmeisters aus Belgien, Mathias Broothaerts, der den Wettbewerb mit guten 7,77 Meter vor dem Rheinland-Pfälzer Marcel Kirstges, LG Rhein-Wied mit 7,58 m gewann. Zuvor war Kirstges bereits über 100 m bei leichtem Gegenwind in 10,86 Sek. siegreich. Über 100 Meter der Frauen siegte Tatjana Steidle, von USC Freiburg gleich zweimal in 12,49 und in 12,51 Sek. vor Annegret Nehl, vom LAZ Saarbrücken, die ebenfalls zweimal an den Start ging und ebenfalls zweimal den zweiten Platz belegte, einmal in 12,97 sec. Und einmal in13,13 sec.. Annegret Nehl startete nicht nur zweimal über 100 Meter sondern siegte auch über 200 Meter in 26,53 sec. Die 200 Meter der Herren gewann Kai-Daniel Weil, von der LAZ Saarbrücken in 23,34 sec. vor Kolja Koglin, vom heimischen TV Dillingen in 24,16 sec.
Daneben gab es noch eine ganze Reihe weiterer Wettbewerbe, die vorwiegend mit nationalen Sportlern besetzt waren, die teilweise ordentliche Ergebnisse erzielten, allerdings ohne überragende Leistungen.

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Infothek zum Ende einer großen Karriere: Bianca Kappler hört auf

Erstmals aufmerksam wurde man auf Bianca Kappler im Jahr 2002, als sie im Europacup den dritten Platz belegte. 2003 wurde sie professionelle Sportlerin und kam aus Hamburg an die Saar, wo sie sich dem LC Rehlingen anschloss. Im gleichen Jahr wurde sie erstmals Deutsche Meisterin im Freien und in der Halle. 2004 nahm sie an den Olympischen Spielen in Athen teil und belegte dort den achten Platz.
Besondere Aufmerksamkeit erzielte sie bei den Halleneuropameisterschaften 2005 in Madrid. Dort waren als beste Weite 6,53 Meter notiert. In ihrem letzten Sprung gaben die Weitenmesser 6,96 Meter an. Spontan erklärte Bianca den Kampfrichtern „So weit kann ich nicht springen“. Nach langer Beratung und Analyse der Fernsehbilder kam die Jury ebenfalls zu dem Ergebnis, dass die angegeben Weite nicht stimmen könne. Der Sprung wurde nachträglich annulliert. Da den Filmaufnahmen nach der Sprung zumindest die Weite der drittplatzierten Rumänin Adina Anton (6,59 m) erreicht hätte, erhielt Bianca Kappler eine zusätzliche Bronzemedaille. Für ihr Verhalten erhielt sie zusätzlich die Fair-Play-Trophäe des Internationalen Olympischen Komitees.
2006 folgte eine Babypause, der 2007 das erfolgreichste Jahr Bianca Kapplers folgte. Sie wurde Deutsche Hallenmeisterin und belegte bei den Halleneuropameisterschaften mit 6,63 M den vierten Platz. In der Freiluftsaison steigerte sie ihre persönliche Bestleistung auf 6,90 Meter. Bei der Weltmeisterschaft in Osaka belegte sie mit 6,81 M den fünften Rang. 2008 verhinderte ein Achillessehnenriss
die Teilnahme an den olympischen Spielen, für die sie bereits nominiert war. Bei der Weltmeisterschaft 2009 schied sie in der Qualifikation aus. Ab 2011 standen berufliche Entwicklungen im Vordergrund, anschließend folgten die zweite Babypause und die Geburt des zweiten Kindes. In dem darauf folgenden Mutterschaftsurlaub wollte sie es noch einmal wissen und sich noch einmal mit dem aufkommenden Springernachwuchs messen.
Bianca Kappler hat bei einer Größe von 1,80 m ein Wettkampfgewicht von 61 kg, lachend erklärte sie uns bei unserem Gespräch in Dillingen, „jetzt kann ich endlich mal Schokolade essen“.
Nach ihrem Abitur hatte sie in Hamburg Französisch und Germanistik auf Lehramt studiert und 2003 ihr Examen bestanden. 2011 übernahm Kappler die Stabsstelle „Protokoll und Auswärtige Angelegenheiten“ in der Staatskanzlei des Saarlandes. Ihr Mutterschaftsurlaub wird in zwei Monaten zu Ende gehen, danach wird sie ihre berufliche Tätigkeit wieder aufnehmen.

 

Autor: Achim Rapp von "aramedien"

Download Saarbrücker Zeitung: Der letzte Sprung

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